Schokolade - Eine wahre geschichte

Folgen für die Schokolade

In der Geschichte der Berner und Schweizer Schokolade könnte ein Paradox seine Spuren hinterlassen haben, das sogar von Fachleuten
missverstanden wurde.
Schokolade - Eine wahre geschichte

Folgen für die Schokolade

In der Geschichte der Berner und Schweizer Schokolade könnte ein Paradox seine Spuren hinterlassen haben, das sogar von Fachleuten missverstanden wurde.
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L-Paradox

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L-Paradox

Obwohl sich die bekannteste Biografie von R. Lindt als starke Abwertung seiner Person herausstellt, wird sie als sachorientiert wahrgenommen. Durch dieses Missverständnis wird die negative Darstellung auch über die Medien verbreitet. In der Öffentlichkeit entstand daraus das Bild eines unprofessionellen, faulen und verurteilten Schokoladenpioniers. Mit ziemlicher Sicherheit hat sein Weltruf darunter gelitten. Ein direkter Kausalzusammenhang besteht jedoch nicht. Um mögliche Auswirkungen evaluieren zu können, muss auf eine Frage-Antwort-Technik zurückgegriffen werden.

Wirtschaftsbiografien sind stets auch ein wichtiges Marketinginstrument. Die Hauptpersonen werden deshalb oft glorifiziert. Bei R. Lindt verhält es sich jedoch genau umgekehrt. Den Texten zufolge soll er mehr Glück als Verstand gehabt haben. Er ist wohl der einzige Schokoladenpionier, über den vorwiegend negative Biografien verfasst wurden. Im Vergleich zur Glorifizierung anderer Pioniere fällt die Darstellung seiner Person so stark ab, dass man sogar von einem Paradox sprechen kann. Dieses Phänomen zeigt sich auch in «Patriarchen», denn die übrigen Pioniere wie H. Nestlé, J. Maggi etc. werden doch eher heldenhaft dargestellt. Nachfolgend werden widersprüchliche Situationen beschrieben. Das L-Paradox ist eine mögliche Antwort auf die Frage nach dem Warum. Auf diese Weise lassen sich zunächst potenzielle Folgen für die Berner, dann für die Schweizer und zu guter Letzt für die globale Schokoladengeschichte eruieren.
Obwohl sich die bekannteste Biografie von R. Lindt als starke Abwertung seiner Person herausstellt, wird sie als sachorientiert wahrgenommen. Durch dieses Missverständnis wird die negative Darstellung auch über die Medien verbreitet. So entstand das Bild eines unprofessionellen, faulen und verurteilten Pioniers. Mit ziemlicher Sicherheit hat sein Weltruf darunter gelitten. Ein direkter Kausalzusammenhang besteht jedoch nicht. Um mögliche Auswirkungen evaluieren zu können, muss auf eine Frage-Antwort-Technik zurückgegriffen werden.

Wirtschaftsbiografien sind immer auch ein sehr wichtiges Marketinginstrument. Die Hauptpersonen werden deshalb oft glorifiziert. Bei R. Lindt verhält es sich jedoch genau umgekehrt. Den Texten zufolge soll er mehr Glück als Verstand gehabt haben. Und so ist er wohl der einzige Schokoladenpionier, über den überwiegend negative Biografien verfasst wurden. Im Vergleich mit der Glorifizierung anderer Pioniere fällt die Darstellung seiner Person derart stark ab, dass sogar von einem Paradox gesprochen werden kann. In diesem Kapitel werden widersprüchliche Situationen beschrieben. Das L-Paradox ist eine mögliche Antwort auf die Frage nach dem Warum. So lassen sich zunächst potenzielle Folgen für die Berner, dann für die Schweizer und zu guter Letzt für die globale Schokoladengeschichte eruieren.
R. Lindt entdeckte die moderne Schokolade. In der Schokoladengeschichte wird er dennoch negativ dargestellt. Die Darstellung ist so aussergewöhnlich, dass sie als paradox bezeichnet werden kann.
Pioniere werden generell sehr positiv dargestellt. Bei diesem Berner ist es jedoch genau andersherum. In seinem Fall weicht die Darstellung so stark von der Norm ab, dass sie nahezu paradox erscheint.
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Bundesstadt der Schweiz

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Bundesstadt der Schweiz

Warum erinnert man sich in Bern kaum mehr an R. Lindt? Dieser Frage ist man in dieser Gegendarstellung nachgegangen. Im Jahr 1848 wurde Bern zur Schweizer Bundesstadt. R. Lindt wurde 1855 in Bern geboren. 1879 entwickelte er das Berner Verfahren. Dieses Verfahren wurde später zum Standard in der Schokoladenfabrikation. Dadurch wurde seine Schmelzschokolade zur Schokolade, wie man sie heute kennt. Dank seinem Erfindergeist erhielt die Schweiz einen technischen Vorsprung und erlangte so den Ruf eines Schokoladenlandes. Trotzdem ist die Geschichte über den Erbauer dieses internationalen Rufes unbekannt. Das ist sogar in seiner Geburtsstadt der Fall, die zugleich Bundesstadt der Schweiz ist – dem vermeintlichen Land der Schokolade. Diese Umstände könnten nicht widersprüchlicher sein und deuten auf ein Paradox hin.

Bevor er nach Zürich verkaufte, hatte sich R. Lindt als Schokoladenmacher mit Weltruf einen Namen gemacht (Berufung 1927, Klägerin, S. 4). Der Familienname zählt noch heute zu den bekanntesten Schokoladenmarken weltweit. Er spielt daher eine zentrale Rolle bei der Vermarktung. Im Gegensatz dazu wurde die Person hinter dem Namen stark abgewertet. Bei der Verbreitung des negativen Erscheinungsbildes wirkte die saloppe Legende wie ein Brandbeschleuniger. Durch die Aufwertung in der Werbung und die Abwertung in den Biografien konnte sich der Name immer mehr von der Person entfremden.

Diese Entfremdung konnte sich weiter verstärken, indem ihm auch noch krumme Machenschaften angedichtet wurden. Da man sich mit einem verurteilten Lokalhelden weniger stark identifizieren möchte, könnte R. Lindt sogar in der Berner Bevölkerung an Rückhalt verloren haben. In diesem Fall wäre aber auch der Bezug zu seinem Geburtsort erloschen. Unter diesen Umständen hätte das L-Paradox zu einer Art von Entpersonalisierung des Produktes geführt. Fest steht jedenfalls, dass der Name heute ohne Bezug zur Geburtsstadt kommuniziert wird. Vereinzelt wird der Berner Pionier sogar mit dem Zürichsee in Verbindung gebracht.

Nun ist R. Lindt aber bei Weitem nicht der einzige Protagonist der Berner Schokoladengeschichte. In der Länggasse hatten T. Tobler und E. Baumann eine Dreiecksidee, aus der im Jahr 1908 die bekannteste Schweizer Schokolade entstanden ist. Dank ihrer Ecken und Kanten geniesst sie heute noch einen Weltruf. Und dann wäre da noch die Familie Wander, die ab 1921 das Ei-Malz-Kakao-Pulver mit Weltformat vom Weissenbühlquartier in die Matte lieferte, wo es in eine Schmelzschokolade eingearbeitet wurde (Ovomaltine – Nationalsymbol und Weltprodukt, T. Fenner, S. 10).

C. Bloch, W. Gysi, F. Suchard, A. und J. Lacroix, K. Zuffi, H. Rooschütz, A. Ballif, G. Berla und D. Valentini, F. Zimmermann etc. sind weitere Akteure dieser süssen Geschichte. Nirgendwo sonst in der Schweiz gab es eine solche Vielfalt an Schokoladenmacher. Ergo war Bern früher eine echte Schokoladenhauptstadt. Es ist aber ganz egal, wie gut dieses Starensemble seine Rollen spielte. Wenn der Hauptdarsteller durch den Kakao gezogen wird, färbt sich das auf die gesamte Geschichte ab.

Für die Legendenlogik musste auch noch die technische Errungenschaft vereinfacht werden. Hierzu wurde das mehrstufige Verfahren auf ein Zufallswochenende zurechtgestutzt: Auf die Idee, länger zu rühren, kommt selbst ein Anfänger. Auf die Idee, noch länger zu rühren, kann man auch durch ein Missgeschick kommen. Ohne den weiteren Eckpunkten des Conchierens sowie das Temperieren und Giessen der Masse erscheint die Erfindung weniger bedeutend, als sie es tatsächlich war. Dadurch fehlen die qualitativen Merkmale, mit denen die Berner Schokoladengeschichte auch im internationalen Vergleich mithalten kann. In der globalen Schokoladenentwicklung verliert Bern somit an Bedeutung. Damit wäre ein Grund gefunden, weshalb die tragende Rolle der Schweizer Bundesstadt in der Entwicklung der modernen Schokolade unterschätzt wird. Also trägt das L-Paradox zumindest eine Mitverantwortung, dass Berns Schokoladenseite heute ein Schattendasein fristet.
Warum erinnert man sich in Bern kaum mehr an R. Lindt? Dieser Frage ist man in dieser Gegendarstellung nachgegangen. Im Jahr 1848 wurde Bern zur Schweizer Bundesstadt. R. Lindt wurde 1855 in Bern geboren. 1879 entwickelte er das Berner Verfahren. Dieses Verfahren wurde später zum Standard in der Schokoladenfabrikation. Dadurch wurde seine Schmelzschokolade zur Schokolade, wie man sie heute kennt. Dank seinem Erfindergeist erhielt die Schweiz einen technischen Vorsprung und erlangte so den Ruf eines Schokoladenlandes. Trotzdem ist die Geschichte über den Erbauer dieses internationalen Rufes unbekannt. Das ist sogar in seiner Geburtsstadt der Fall, die zugleich Bundesstadt der Schweiz ist – dem vermeintlichen Land der Schokolade. Diese Umstände könnten nicht widersprüchlicher sein und deuten womöglich auf ein Paradox hin.

Vor dem Verkauf nach Zürich machte sich R. Lindt als Schokoladenmacher mit Weltruf einen Namen (Berufung 1927, Klägerin, S. 4). Der Familienname ist eine der bekanntesten Schokoladenmarken. Er spielt daher eine zentrale Rolle bei der Vermarktung. Im Gegensatz dazu wurde die Person hinter dem Namen stark abgewertet. Bei der Verbreitung des negativen Erscheinungsbildes wirkte die saloppe Legende wie ein Brandbeschleuniger. Durch die Aufwertung in der Werbung und die Abwertung in den Biografien konnte sich der Name immer mehr von der Person entfremden.

Die Entfremdung konnte sich weiter verstärken, indem ihm auch noch krumme Geschäfte angedichtet wurden. Da man sich mit einem verurteilten Lokalhelden weniger stark identifizieren möchte, könnte R. Lindt sogar in der Berner Bevölkerung an Rückhalt verloren haben. In diesem Fall wäre aber auch der Bezug zu seinem Geburtsort erloschen. Unter diesen Umständen hätte das L-Paradox zu einer Art von Entpersonalisierung des Produktes geführt. Fest steht jedenfalls, dass der Name heute ohne Bezug zur Geburtsstadt kommuniziert wird. Vereinzelt wird der Berner Pionier sogar mit Zürich in Verbindung gebracht.

Nun ist R. Lindt aber bei Weitem nicht der einzige Protagonist der Berner Schokoladengeschichte. In der Länggasse hatten T. Tobler und E. Baumann eine dreieckige Idee, aus der im Jahr 1908 die bekannteste Schweizer Schokolade entstanden ist. Dank ihrer Ecken und Kanten geniesst sie heute noch einen Weltruf. Und dann wäre da noch die Familie Wander, die ab 1921 das Ei-Malz-Kakao-Pulver mit Weltformat vom Weissenbühlquartier in die Matte lieferte, wo es in eine Schoggi mit Schmelz eingearbeitet wurde (Ovomaltine – Nationalsymbol und Weltprodukt, T. Fenner, S. 10).

C. Bloch, W. Gysi, F. Suchard, A. und J. Lacroix, K. Zuffi, H. Rooschütz, A. Ballif, G. Berla und D. Valentini, F. Zimmermann etc. sind weitere Akteure dieser süssen Geschichte. Nirgendwo sonst in der Schweiz gab es eine solche Vielfalt an Chocolatiers. Ergo war Bern früher eine echte Schokoladenhauptstadt. Es ist aber ganz egal, wie gut dieses Starensemble seine Rollen spielte. Wenn der Hauptdarsteller durch den Kakao gezogen wird, färbt sich das auf die gesamte Geschichte ab.

Für die Legendenlogik musste auch noch die technische Errungenschaft vereinfacht werden. So wurde das mehrstufige Verfahren auf ein Zufallswochenende angepasst: Auf die Idee, länger zu rühren, kommt selbst ein Anfänger. Auf die Idee, noch länger zu rühren, kann man auch durch ein Missgeschick kommen. Ohne den weiteren Eckpunkten des Conchierens sowie das Temperieren und Giessen der Masse erscheint die Erfindung weniger bedeutend, als sie es tatsächlich war. Der Berner Schokoladengeschichte fehlen damit die qualitativen Merkmale, um auch im internationalen Vergleich mithalten zu können. Bern verliert dadurch an Bedeutung in der globalen Schokoladenentwicklung. Damit wäre ein Grund gefunden, weshalb die tragende Rolle der Schweizer Bundesstadt in der Entwicklung der modernen Schokolade unterschätzt wird. Also trägt das L-Paradox zumindest eine Mitverantwortung, dass Berns Schokoladenseite heute ein Schattendasein fristet.
Das Conchieren der Kakaomasse und das Temperieren der Schokoladenmasse wurden im Berner Mattequartier erfunden. Bern gilt daher als Geburtsstadt der modernen Schokolade.
In der Geburtsstadt der heutigen Schokolade war diese Behauptung alles andere als eine Übertreibung. Über die Jahre sind diese stolzen Worte jedoch verblast. Der wichtigsten Schokoladengeschichte der Schweiz erging es nicht anders.
Folgen

Schweizer Schokolade

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Schweizer Schokolade

Wieso ist die Milchschokolade bekannter als die Schmelzschokolade? Wenn sich zwei streiten, so freut sich eine Dritte – wäre eine mögliche Antwort. 1875 wird häufig als Geburtsjahr der Milchschokolade genannt. Es wird sich aber gleich herausstellen, dass sie damals noch nicht vollendet war. Die Erfindung geht auf D. Peter zurück, der in Vevey eine Manufaktur betrieb. Wie aus einem Studienblatt hervorgeht, wird auch die Masse für Milchschokoladen in einer Conchiermaschine bearbeitet:

«Beim Conchieren werden verschiedene Stufen durchlaufen. Es beginnt mit dem Einfüllen der pulvrigen Mischung, die auf dem Walzwerk fein vermahlen wurde. Sie enthält Kakaomasse, Zucker und evtl. Milchpulver (Conchieren – eine Herausforderung für die Forschung, IVLV, Industrievereinigung für Lebensmitteltechnologie und Verpackung e.V.).»


Technisch gesehen ist es also auch eine Schmelzschokolade. Das entsprechende Verfahren wurde allerdings erst 1879 entwickelt. Daraus folgt, dass es sich 1875 höchstens um eine Ur-Milchschokolade handeln konnte. Für die Homogenisierung der Milchschokolade benötigte man das Verfahren von R. Lindt. In der Schweizer Schokoladengeschichte stellt sich die Huhn-oder-Ei-Frage also nicht: Die Schmelzschokolade gilt als die Mutter der Milchschmelzschokolade. Wenn dieser technischen Logik gefolgt wird, wäre der entscheidende Durchbruch bei der Milchschokolade ebenfalls dem Berner Zufallstreffer zu verdanken. Daraus lässt sich schliessen, dass die Legende somit auch die Errungenschaft aus Vevey abwertet.

Doch wie konnte die Tochter aus dem Schatten der Mutter treten? Eine mögliche Antwort liegt im Konflikt zwischen R. Lindt und der Unternehmenszentrale am Zürichsee. Die Gehässigkeiten könnten die späteren Abwertungen in den Biografien befeuert haben. Die Vereinfachung des Schmelzschokoladenverfahrens wurde hierfür sogar in Kauf genommen. In der Folge verlor die Berner Errungenschaft an Bedeutung. Davon blieb die Milchschmelzschokolade jedoch verschont. Bei Erfindungen nennt man in der Regel das Jahr ihrer Vollendung. Im konkreten Fall kommuniziert man hingegen jenes der Ur-Milchschokolade. Dadurch erscheint die Tochter älter als die Mutter. Damit ist die Abhängigkeit vom Berner Verfahren nicht mehr nachvollziehbar. Auf diese Weise wird die Milchschokolade vom Zufallstreffer entkoppelt. Das wäre zumindest eine Erklärung dafür, warum statt 1887 immer wieder das Jahr 1875 genannt wird.

Ohne die logische Abfolge der Erfindungen in Bern und Vevey konnte sich die Milchschokolade natürlich viel unbeschwerter entfalten. In diesem Fall würde das Sprichwort «Wenn sich zwei streiten, freut sich eine Dritte» tatsächlich zutreffen. Das L-Paradox hätte der Tochter somit geholfen, aus dem Schatten der Mutter zu treten. Fest steht jedoch, dass die Milchschmelzschokolade heute bekannter ist als die Berner Schmelzschokolade. Der höhere Bekanntheitsgrad der Tochter könnte sogar als Paradox der Schweizer Schokolade bezeichnet werden.

Für die Schweiz waren sowohl die Schmelzschokolade als auch rund acht Jahre später die Milchschmelzschokolade von grosser Bedeutung. Daher sollten die beiden Entdeckungen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es fällt jedoch auf, dass beide Entwicklungsprojekte zeitlich fast parallel verliefen. Wie bereits bei der Zufallskategorie erwähnt, bestand zwischen den Familien Lindt in Bern und Kohler in Lausanne eine Verwandtschaft. Aus diesem Grund machte R. Lindt seine Ausbildung in der Lausanner Schokoladenfabrik seines Onkels C. Kohler. Ferner ist dem Berufungsschreiben der Berner Seite zu entnehmen, dass ab 1880 ein Wissenstransfer zwischen Bern und Lausanne existierte (Berufung 1927, Beklagte, S. 15). Ebenso ist belegt, dass später die Schokoladenmanufaktur Kohler mit derjenigen von D. Peter fusioniert wurde. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass C. Kohler und seine Söhne als wichtiges Bindeglied zwischen R. Lindt und D. Peter fungierten. In diesem Fall hätte ein zartschmelzendes Dreieck zwischen Lausanne, Bern und Vevey bestanden – und zwar noch vor der Dreiecksidee aus der Berner Länggasse.

Die wichtige Rolle der Milchschokolade bei der breiten Durchsetzung von Schokolade ist unbestritten. Durch das Streckverfahren wurde weniger Kakao benötigt. Das Produkt wurde dadurch billiger. Dank der Milch konnten zudem Konsumenten angesprochen werden, welche ein milderes Aroma bevorzugen – vor allem Mütter und Kinder. Die Zielgruppe erweiterte sich also insgesamt.

Ein wichtiger Punkt war aber auch die Landesversorgung. Eine starke Inlandversorgung bedeutet weniger Abhängigkeit vom Ausland. Für die Versorgungssicherheit eines Binnenlandes ist die Inlandproduktion daher von zentraler Bedeutung. Die Schweizer Landwirtschaft erhielt durch die Milchschokolade einen neuen Absatzkanal. Das stärkte den inländischen Wirtschaftskreislauf. Somit wurde die Schweiz unabhängiger von Importen. Zudem prägte die Milchschokolade das Erscheinungsbild der Schweiz. So wurden Alpensujets für die Vermarktung im Ausland verwendet. Die Schweiz wurde dadurch als Alpenland bekannt. Noch heute profitiert der Schweizer Tourismus davon.

Die Milchschmelzschokolade war für die Volkswirtschaft der Schweiz enorm wichtig – das steht ausser Frage. Ob die Ur-Milchschokolade von anno 1875 ohne Schmelz und somit ohne homogene Struktur auch auf einer solchen Erfolgswelle geritten wäre, ist hingegen fraglich. Fest steht aber, dass die Schweiz mit R. Lindt und D. Peter zwei kongeniale Pioniere hatte. Ihrem Erfindergeist ist es zu verdanken, dass sich das kleine Alpenland nach wie vor als Schokoladenland behaupten kann.
Wieso ist die Milchschokolade bekannter als die Schokolade mit Schmelz? Wenn sich zwei streiten, so freut sich eine Dritte – wäre eine mögliche Antwort. 1875 wird häufig als Geburtsjahr der Milchschokolade genannt. Es wird sich aber gleich herausstellen, dass sie damals noch nicht vollendet war. Die Erfindung geht auf D. Peter zurück, der in Vevey eine Manufaktur betrieb. Wie aus einem Studienblatt hervorgeht, wird auch die Masse für Milchschokoladen in einer Conchiermaschine bearbeitet:

«Beim Conchieren werden verschiedene Stufen durchlaufen. Es beginnt mit dem Einfüllen der pulvrigen Mischung, die auf dem Walzwerk fein vermahlen wurde. Sie enthält Kakaomasse, Zucker und evtl. Milchpulver (Conchieren – eine Herausforderung für die Forschung, IVLV, Industrievereinigung für Lebensmitteltechnologie und Verpackung e.V.).»


Technisch gesehen ist es also auch eine Schmelzschokolade. Das entsprechende Verfahren wurde aber erst 1879 entwickelt. Daraus folgt, dass es sich im Jahr 1875 höchstens um eine Ur-Milchschokolade handeln konnte. Für die Homogenisierung der Milchschokolade benötigte man das Verfahren von R. Lindt. Die Huhn-oder-Ei-Frage stellt sich in der Geschichte über die Schweizer Schokolade also nicht: Die Schmelzschoggi ist die Mutter der Milchschmelzschokolade. Wenn dieser technischen Logik gefolgt wird, wäre der entscheidende Durchbruch bei der Milchschokolade ebenfalls dem Berner Zufallstreffer zu verdanken. Daraus lässt sich schliessen, dass die Legende somit auch die Errungenschaft aus Vevey abwertet.

Doch wie konnte die Tochter aus dem Schatten der Mutter treten? Eine mögliche Antwort liegt im Konflikt zwischen R. Lindt und der Unternehmenszentrale am Zürichsee. Die Gehässigkeiten könnten die späteren Abwertungen in den Biografien befeuert haben. Hierfür wurde sogar die Vereinfachung des Schmelzschokoladenverfahrens in Kauf genommen. Die Berner Errungenschaft verlor dadurch an Bedeutung. Davon blieb die Milchschmelzschoggi jedoch verschont. Bei Erfindungen nennt man in der Regel das Jahr ihrer Vollendung. Im konkreten Fall kommuniziert man hingegen jenes der Ur-Milchschokolade. Dadurch erscheint die Tochter älter als die Mutter. Damit ist die Abhängigkeit vom Berner Verfahren aber nicht mehr nachzuvollziehen. Auf diesse Weise wird die Milchschokolade vom Zufallstreffer entkoppelt. Das könnte zumindest eine Erklärung dafür sein, warum immer wieder das Jahr 1875 genannt wird, und nicht 1887.

Ohne die logische Abfolge der Erfindungen in Bern und Vevey konnte sich die Milchschokolade natürlich viel unbeschwerter entfalten. In diesem Fall würde das Sprichwort«Wenn sich zwei streiten, freut sich eine Dritte» tatsächlich zutreffen. Das L-Paradox hätte der Tochter somit geholfen, aus dem Schatten der Mutter zu treten. Fest steht nur, dass die Milchschmelzschoggi heute wesentlich bekannter ist als die Schmelzschoggi. Der höhere Bekanntheitsgrad der Tochter kann sogar als Paradox der Schweizer Schokolade beschrieben werden.

Für die Schweiz waren sowohl die Schmelzschokolade als auch rund acht Jahre später die Milchschmelzschokolade von grosser Bedeutung. Daher sollten die beiden Entdeckungen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Es fällt jedoch auf, dass beide Entwicklungsprojekte zeitlich fast parallel verliefen. Wie bereits bei der Zufallskategorie erwähnt, bestand zwischen den Familien Lindt in Bern und Kohler in Lausanne eine Verwandtschaft. Aus diesem Grund machte R. Lindt seine Ausbildung in der Lausanner Schokoladenfabrik seines Onkels C. Kohler. Ferner ist dem Berufungsschreiben der Berner Seite zu entnehmen, dass ab 1880 ein Wissenstransfer zwischen Bern und Lausanne existierte (Berufung 1927, Beklagte, S. 15). Ebenso ist belegt, dass der Schokoladenbetrieb von Kohler 1904 mit demjenigen von D. Peter fusioniert wurde. Es kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass C. Kohler und seine Söhne als wichtiges Bindeglied zwischen R. Lindt und D. Peter fungierten. In diesem Fall hätte ein zartschmelzendes Dreieck zwischen Lausanne, Bern und Vevey bestanden – und zwar noch vor der Dreiecksidee aus der Berner Länggasse.

Die wichtige Rolle der Milchschokolade bei der breiten Durchsetzung von Schokolade ist unbestritten. Durch das Streckverfahren wurde weniger Kakao benötigt. Das Produkt wurde dadurch billiger. Dank der Milch konnten zudem Konsumenten angesprochen werden, welche ein milderes Aroma bevorzugen – vor allem Mütter und Kinder. Die Zielgruppe erweiterte sich also insgesamt.

Ein wichtiger Punkt war aber auch die Landesversorgung. Eine gestärkte Inlandversorgung bedeutet weniger Abhängigkeit vom Ausland. Für die Versorgungssicherheit eines Binnenlandes ist die Produktion im Inland daher von zentraler Bedeutung. Die Schweizer Landwirtschaft erhielt durch die Milchschokolade einen neuen Absatzkanal. Dies stärkte den inländischen Wirtschaftskreislauf und reduzierte die Abhängigkeit von Importen. Zudem prägte die Milchschokolade das Erscheinungsbild der Schweiz. So wurden Alpensujets für die Vermarktung im Ausland verwendet. Die Schweiz wurde dadurch als Alpenland bekannt. Noch heute profitiert der Schweizer Tourismus davon.

Die Milchschmelzschokolade war für die Volkswirtschaft der Schweiz enorm wichtig – das steht ausser Frage. Ob die Ur-Milchschokolade von anno 1875 ohne Schmelz und somit ohne homogene Struktur auch auf einer solchen Erfolgswelle geritten wäre, ist hingegen fraglich. Fest steht aber, dass die Schweiz mit R. Lindt und D. Peter zwei kongeniale Pioniere hatte. Ihrem Erfindergeist ist es zu verdanken, dass sich das kleine Alpenland nach wie vor als Schokoladenland behaupten kann.
Mit Hilfe des Berner Schmelzschokoladenverfahrens wurde die Milchschokolade am Genfersee finalisiert.
Durch das Schmelzschokoladenverfahren wurde die Schokoladenstruktur homogenisiert. Auch die glänzende Oberfläche ist dem Perfektionismus aus dem Mattequartier zu verdanken. Aufgrund des hellen Farbtones waren das besonders wichtige Faktoren für den Erfolg der Milchschmelzschokolade.
Folgen

Schokoladenentwicklung

Folgen

Schokoladenentwicklung

Die Entwicklung der Schmelzschokolade geht eng mit dem Temperierverfahren einher. Dennoch wird es in der Fachliteratur jeweils isoliert betrachtet. Warum wird das Temperieren der conchierten Masse nicht mit R. Lindt in Verbindung gebracht? Um diese Frage beantworten zu können, muss erneut die Legendenlogik ins Spiel gebracht werden. Nur eine einfache Lösung kann mit einem Zufallstreffer vollständig gefunden werden. In den biografischen Texten wurde das Temperieren daher weggelassen. Die mehreren Schritte des Conchierens wurden zudem auf längeres Rühren beschränkt. So wurde ein reduziertes Verfahren geschaffen, welches sich auch mit einem Anfängerfehler innerhalb eines Wochenendes hätte definieren lassen. In der Öffentlichkeit entstand dadurch der Eindruck, dass in Bern einfach etwas länger im Topf gerührt wurde.

In erster Linie geht durch die Vereinfachung vergessen, dass ein chemisch-technisches Problem gelöst werden musste, wofür Apothekerwissen erforderlich war. Betrachtet man den biologischen Aufbau des Kakaos, so stellt man nämlich fest, dass er hauptsächlich aus Kakaofett besteht (50-60 Prozent). Als Pflanze enthält er aber auch Wasser. Um die Struktur der Schokolade homogenisieren zu können, musste also ein Wasser-Fett-Problem gelöst werden. In zweiter Linie wird dabei vergessen, dass mehrere Verfahren entwickelt werden mussten. Gestützt auf die Legendenlogik wäre es also naheliegend, dass das L-Paradox sogar in der Fachwelt für Verwirrung gesorgt hätte.

Zunächst soll das Verfahren hinsichtlich der Schmelzeigenschaft in die weltweite Schokoladenentwicklung eingeordnet werden. Im Anschluss werden die einzelnen Entwicklungsstufen der Berner Schmelzschokolade erläutert. Damit soll wieder Klarheit geschaffen werden.
Die Entwicklung der Schmelzschoggi geht eng mit dem Temperierverfahren einher. Dennoch wird es in der Fachliteratur jeweils isoliert betrachtet. Warum wird das Temperieren der conchierten Masse nicht mit R. Lindt in Verbindung gebracht? Um diese Frage beantworten zu können, muss erneut die Legendenlogik ins Spiel gebracht werden. Nur eine einfache Lösung kann mit einem Zufallstreffer vollständig gefunden werden. In den biografischen Texten wurde das Temperieren daher weggelassen. Die mehreren Schritte des Conchierens wurden zudem auf längeres Rühren beschränkt. So wurde ein reduziertes Verfahren geschaffen, welches sich auch mit einem Anfängerfehler innerhalb eines Wochenendes hätte definieren lassen. Dadurch ist in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, dass in Bern einfach etwas länger im Topf gerührt wurde.

In erster Linie geht durch die Vereinfachung vergessen, dass ein chemisch-technisches Problem gelöst werden musste, wofür Apothekerwissen erforderlich war. Betrachtet man den biologischen Aufbau des Kakaos, so stellt man nämlich fest, dass er hauptsächlich aus Kakaofett besteht (50-60 Prozent). Als Pflanze enthält er aber auch Wasser. Um die Struktur der Schokolade homogenisieren zu können, musste also ein Wasser-Fett-Problem gelöst werden. In zweiter Linie wird dabei vergessen, dass mehrere Verfahren entwickelt werden mussten. Gestützt auf die Legendenlogik wäre es also naheliegend, dass das Paradox sogar in der Fachwelt für Verwirrung gesorgt hätte.

Zuerst muss das Verfahren hinsichtlich dem Schmelz in die globale Entwicklung der Schokolade eingeordnet werden. Damach werden die einzelnen Entwicklungsstufen der Berner Schmelzschokolade erläutert. Damit soll wieder Klarheit geschaffen werden.

Weltweite Entwicklung der Schokolade

Von der Entdeckung des Kakaos als Nahrungsmittel über die Fermentation bis hin zu Spezialitäten wie dem Piemonteser Gianduja ist Schokolade ein Produkt, das über Generationen hinweg optimiert wurde. Dennoch stehen die finalen Durchbrüche in der Geschichte im Vordergrund. Kakao kann in flüssiger oder fester Form konsumiert werden. Daher wird zwischen Trinkschokolade und Essschokolade unterschieden. Dabei gilt die Trinkschokolade als die Urform des Kakaokonsums. Die Kombination aus Fett und Wasser war die grosse Herausforderung, die es schliesslich zu meistern galt.
  • Wasser-Fett-Problematik
    Die Lösungsansätze bestanden darin, entweder Wasser oder Fett zu reduzieren.
    Was war die Motivation der Pioniere? Kakao besteht zu 50 bis 60 Prozent aus Fett. Damit die Kakaopflanze leben kann, ist aber auch Wasser enthalten. Bei der Kakaoverarbeitung gab es also eine sogenannte Wasser-Fett-Unverträglichkeit. Für dieses Problem kamen zwei mögliche Lösungen infrage: Entweder reduzierte man das Wasser oder das Fett. Anhand dieser beiden Ansätze lassen sich diese Pionierleistungen differenzieren.
  • Dutch Process
    Reduktion des Fettes führte zum Kakaopulver. Das war der Druchbruch bei der Trinkschokolade.
    1828 gelang es dem Niederländer C. van Houten den Kakao zu entölen. Ohne das Fett liess sich der trockene Kakao ganz einfach mit flüssiger Milch verrühren. Dadurch konnte die Zubereitung von Trinkschokolade vereinfacht werden. Beim entölten Kakao handelt es sich um das Kakaopulver. Die Entölung von Kakao kann auch als niederländisches Verfahren bezeichnet werden.
  • Berner Verfahren
    Reduktion des Wassers führte zur Homogenisierung der Struktur. So erhielt die Essschokolade ihren Feinschliff.
    1879 gelang es dem Berner R. Lindt, dem Kakao das Wasser zu entziehen. Um ein Austrocknen zu verhindern, fügte er Kakaobutter hinzu. Dadurch erhöhte sich der Fettanteil und die Masse wurde zähflüssig. Die instabilen Fettkristalle liessen sich nun durch ein bestimmtes Temperaturintervall stabilisieren. Damit war die Homogenisierung der Schokoladenmasse erreicht, welche nun in Formen gegossen werden konnte.
Schokoladenentwicklung

Erste Stufe: Conchieren

Schokoladenentwicklung

Erste Stufe: Conchieren

Um die Wasser-Fett-Unverträglichkeit zu lösen, musste der Wasseranteil reduziert werden. Dazu wurde die Masse in der Conchiermaschine erhitzt, sodass Wasser verdampfen konnte. Damit die Masse während des Conchierens nicht austrocknete, musste Kakaobutter beigemengt werden. Durch die Erhöhung des Fettanteils wurde die Masse zähflüssig. Im zähflüssigen Stadium ging die Walze der Conche vom Verfeinern ins Rühren der Masse über. Durch die Wasserverdampfung konnten nun auch unerwünschte Aromen entweichen. Deshalb wirkt sich die Endphase des Conchierens am stärksten auf die Aromatik der Schokolade aus.

Hinweis: Vor dem Conchieren wird der fermentierte Kakao geröstet, gebrochen, geschält und verfeinert. Anschliessend wird er mit Zucker (bzw. mit Milchpulver oder Kondensmilch für Milchschokolade) vermengt. Danach kann diese Masse in der Conche weiterverarbeitet werden.
Um die Wasser-Fett-Unverträglichkeit zu lösen, musste der Wasseranteil reduziert werden. Dazu wurde die Masse in der Conchiermaschine erhitzt, sodass Wasser verdampfen konnte. Um ein Austrocknen der Masse während der Bearbeitung zu verhindern, musste Kakaobutter beigemengt werden. Durch die Erhöhung des Fettanteils wurde die Masse zähflüssig. Im zähflüssigen Stadium ging die Walze der Conche vom Verfeinern ins Rühren der Masse über. Durch die Wasserverdampfung konnten nun auch unerwünschte Aromen entweichen. Deshalb wirkt sich die Endphase des Conchierens am stärksten auf die Aromatik der Schokolade aus.

Hinweis: Vor dem Conchieren wird der fermentierte Kakao geröstet, gebrochen, geschält und verfeinert. Anschliessend wird er mit Zucker (bzw. mit Milchpulver oder Kondensmilch für Milchschokolade) vermengt. Danach kann diese Masse in der Conche weiterverarbeitet werden.
Schokoladenentwicklung

Zweite Stufe: Temperieren

Schokoladenentwicklung

Zweite Stufe: Temperieren

Die Verflüssigung während des Conchierens führte zu einer unerwünschten Reaktion, die erst auftrat, nachdem die Schokoladenmasse ausgehärtet war. Bereits nach kurzer Zeit trennten sich die Fettelemente ab und wurden in Form von grauweissen Spuren an der Oberfläche der Schokolade sichtbar. Fettreif nennt sich dieses Phänomen. Um dieses Problem zu lösen, wurde das Temperierverfahren entwickelt. Hierzu wird die zähflüssige Masse nach dem Conchieren einem bestimmten Temperaturintervall ausgesetzt. Durch Herunterkühlen und erneutem Erhitzen der Masse konnten die Fettkristalle stabilisiert werden. Durch die aktive Stabilisierung kam es in der ausgehärteten Schokolade zu keiner Trennung mehr. Die Elemente blieben miteinander verschmolzen. Durch das Temperieren konnte das Fettreifproblem gelöst werden. Dank diesem Verfahren ist die Struktur einer Schokolade aber auch stabil und hart genug, dass sie glatt gebrochen werden kann. Auch den Glanz verdanken Schokoladen diesem Temperaturintervall. Eine ungenügend temperierte Schokolade hätte eine zu wenig stabile Struktur und würde nicht glatt brechen, sondern anreissen. Statt glänzend wäre die Oberfläche eher stumpf.
Die Verflüssigung während des Conchierens führte zu einer unerwünschten Reaktion, die erst auftrat, nachdem die Schokoladenmasse ausgehärtet war. Bereits nach kurzer Zeit trennten sich die Fettelemente ab und wurden in Form von grauweissen Spuren an der Oberfläche der Schokolade sichtbar. Fettreif nennt sich dieses Phänomen. Um dieses Problem zu lösen, wurde das Temperierverfahren entwickelt. Hierzu wird die zähflüssige Masse nach dem Conchieren einem bestimmten Temperaturintervall ausgesetzt. Durch Herunterkühlen und erneutem Erhitzen der Masse konnten die Fettkristalle stabilisiert werden. Durch die aktive Stabilisierung kam es in der ausgehärteten Schokolade zu keiner Trennung mehr. Die Elemente blieben miteinander verschmolzen, wodurch das Fettreifproblem gelöst wurde. Durch das Temperieren konnte das Fettreifproblem gelöst werden. Dank diesem Verfahren ist die Struktur einer Schokolade aber auch stabil und hart genug, dass sie glatt gebrochen werden kann. Auch den Glanz hat Schoggi diesem Temperaturintervall zu verdanken. Eine ungenügend temperierte Schokolade hätte eine zu wenig stabile Struktur und würde nicht glatt brechen, sondern anreissen. Ihre Oberfläche wäre nicht glänzend, sondern eher stumpf.
Schokoladenentwicklung

Dritte Stufe: Schokoladengiessen

Schokoladenentwicklung

Dritte Stufe: Schokoladengiessen

Bei ursprünglichen Schokoladen wurde dem Kakao zu wenig Wasser entzogen. Bei der Verarbeitung waren die Temperaturen entsprechend niedriger. Aus heutiger Sicht werden Ur-Schokoladen daher im Kalten Verfahren hergestellt. In einzelnen Fällen wurde bereits eine geringe Menge Kakaobutter hinzugefügt, um die Versalbung im Walzwerk zu optimieren. Trotzdem blieb die Struktur der Masse breiig (paströs). Aus diesem Grund wird die Befüllung der Formen in einem wissenschaftlichen Text aus dem Jahr 1889 wie folgt beschrieben:

«Die abgewogene Menge wird in die Form mit der Hand eingedrückt, soweit es geht, glatt ausgearbeitet und sodann in der Form auf den Schütteltisch gebracht, wo ein vollständiges Eindringen der weichen Masse in alle Vertiefungen der geprägten Blechform in kurzer Zeit erzielt wird (Chocolade-Fabrikation, P. Zipperer, S. 114).»


Erst durch die Bearbeitung in der Conchiermaschine wurde die Masse zähflüssig und liess sich nach dem Temperieren in Formen giessen. In der Schokoladenmühle von R. Lindt ging man somit vom Pressen der Masse ins Schokoladengiessen über. Daraus lässt sich schliessen, dass in Bern auch die Befüllung der Schokoladenformen neu definiert wurde.
Bei ursprünglichen Schokoladen wurde dem Kakao zu wenig Wasser entzogen. Bei der Verarbeitung waren die Temperaturen entsprechend niedriger. Aus heutiger Sicht werden Ur-Schokoladen daher im Kalten Verfahren hergestellt. In einzelnen Fällen wurde bereits eine geringe Menge Kakaobutter hinzugefügt, um die Versalbung im Walzwerk zu optimieren. Trotzdem blieb die Struktur der Masse breiig (paströs). Aus diesem Grund wird die Befüllung der Formen in einem wissenschaftlichen Text aus dem Jahr 1889 wie folgt beschrieben:

«Die abgewogene Menge wird in die Form mit der Hand eingedrückt, soweit es geht, glatt ausgearbeitet und sodann in der Form auf den Schütteltisch gebracht, wo ein vollständiges Eindringen der weichen Masse in alle Vertiefungen der geprägten Blechform in kurzer Zeit erzielt wird (Chocolade-Fabrikation, P. Zipperer, S. 114).»


Erst durch die Bearbeitung in der Conchiermaschine wurde die Masse zähflüssig und liess sich nach dem Temperieren in Formen giessen. In der Mühle von R. Lindt ging man somit vom Pressen der Masse ins Schokoladengiessen über. Daraus lässt sich schliessen, dass in Bern auch die Befüllung der Schokoladenformen neu definiert wurde.
Schokoladenentwicklung

Berner Verfahren

Schokoladenentwicklung

Berner Verfahren

Das bisherige Ziel war die Wiederherstellung eines Weltrufes. Dieser Abschnitt versucht nun ein Berner Kulturgut zu rekonstruieren. Im Vergleich zu Mobiltelefonen der Nokia-Generation war das Smartphone ein völlig neues Produkt. Im Markt der Ur-Schokoladen traf dasselbe auf die Berner Schmelzschokolade zu. Für die erfolgreiche Entwicklung waren in beiden Fällen mehrere Innovationen nötig. 1879 gilt als Revolutionsjahr in der globalen Schokoladenentwicklung. Es kann eindeutig aufgezeigt werden, dass hinter der Schmelzschokolade ein mehrstufiges Verfahren steht. «Sollte bei dieser Erfindung und Entdeckung tatsächlich der Zufall die Hände im Spiel gehabt haben», wäre damit erst ein Teil der Chocolat Fondant entdeckt worden.

Mehrere Stufen der weltweiten Schokoladenentwicklung sind somit auf die Entwicklungsarbeit in Bern zurückzuführen. Das Temperieren ist davon wohl das populärste Verfahren. Die Berner Schokoladengeschichte weist also auch qualitative Merkmale auf, mit denen sie sich im internationalen Vergleich messen kann. Nur wenige Städte können für sich beanspruchen, ein globales Produkt derart stark geprägt zu haben wie Bern. Die verschiedenen Verfahrensschritte im Zusammenhang mit der Schmelzeigenschaft einer Schokolade werden in dieser Gegendarstellung als Berner Verfahren bezeichnet. Damit soll einerseits die Geburtsstadt von R. Lindt gewürdigt und andererseits dem Umstand Rechnung getragen werden, dass dieses kulinarische Kulturgut zu Unrecht vom Sockel verdrängt wurde.
Das bisherige Ziel war die Wiederherstellung eines Weltrufes. Dieser Abschnitt versucht nun ein Berner Kulturgut zu rekonstruieren. Im Vergleich zu Mobiltelefonen der Nokia-Generation war das Smartphone ein völlig neues Produkt. Im Markt der Ur-Schokoladen traf dasselbe auf die Schmelzschokolade zu. Für die erfolgreiche Entwicklung waren in beiden Fällen mehrere Innovationen nötig. 1879 gilt als Revolutionsjahr in der globalen Schokoladenentwicklung. Es kann eindeutig aufgezeigt werden, dass hinter der Schmelzschokolade ein mehrstufiges Verfahren steht. «Sollte bei dieser Erfindung und Entdeckung tatsächlich der Zufall die Hände im Spiel gehabt haben», so wäre erst ein Teil der geheimnisvollen Chocolat Fondant entdeckt worden.

Mehrere Stufen der weltweiten Schokoladenentwicklung sind somit auf die Entwicklungsarbeit in Bern zurückzuführen. Das Temperieren ist davon wohl das populärste Verfahren. Die Berner Schokoladengeschichte weist also auch qualitative Merkmale auf, mit denen sie sich im internationalen Vergleich messen kann. Nur wenige Städte können für sich beanspruchen, ein globales Produkt derart stark geprägt zu haben wie Bern. Die verschiedenen Verfahrensschritte im Zusammenhang mit der Schmelzeigenschaft einer Schokolade werden in dieser Gegendarstellung als Berner Verfahren bezeichnet. Damit soll einerseits die Geburtsstadt von R. Lindt gewürdigt und andererseits dem Umstand Rechnung getragen werden, dass dieses kulinarische Kulturgut zu Unrecht vom Sockel verdrängt wurde.
Ein Schokoladenfabrikant steht vor einer Conchiermaschine und temperiert die Schokoladenmasse, welche danach in Formen gegossen wird.
Ein Schokoladenmacher beim Temperieren. Indem er der conchierten Masse kühlere Masse unterzieht, wird die Temperatur reduziert. Anschliessend wird die Masse wieder erhitzt, um die Fettkristalle zu stabilisieren. Danach kann die temperierte Schokoladenmasse in Formen gegossen werden. Diese Art des Temperierens nennt sich die Impfmethode.
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