Schokolade - Eine wahre geschichte

Legende der Schokoladenentdeckung

Interessanterweise lassen sich verschiedene Beschreibungen unter Zufall oder Wochenende kategorisieren. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Legende mehrere Abwertungen enthält. Ist diese Beobachtung Fakt oder Fake?
Schokolade - Eine wahre
geschichte

Legende der
Schokoladenentdeckung

Interessanterweise lassen sich verschiedene Beschreibungen unter Zufall oder Wochenende kategorisieren. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Legende mehrere Abwertungen enthält. Ist diese Beobachtung Fakt oder Fake?
Legende

Kommunikationsanalyse

Legende

Kommunikationsanalyse

Betrachtet man das Lebenswerk von R. Lindt, so lassen sich zwei wichtige Erfolge hervorheben: Einerseits die Entdeckung der heutigen Schokolade und andererseits der hohe Kaufpreis, welcher für die Berner Rod. Lindt Fils bezahlt wurde. In seiner Geschichte steht jedoch oft eine Legende im Vordergrund. Im Dokumentarfilm «Schweiz und die Schokolade» war das auch der Fall. Das Zufallswochenende hat heute mindestens den gleichen Bekanntheitsgrad wie seine Errungenschaften. Diese glückhafte Eingebung muss daher etwas genauer unter die Lupe genommen werden.

In der Kommunikationstheorie übermittelt der Sender eine Botschaft an einen Empfänger. Die Botschaft der Legende kombiniert Zufall mit Wochenende. Zufälle hängen allgemein mit Glück zusammen. Ist man einer Person wohlgesonnen, dann kann ein Zufall mit dem Glück des Tüchtigen erklärt werden. Tüchtigkeit steht jedoch eher im Widerspruch zur Freizeit, welche wiederum das Wochenende betrifft. Daraus folgt, dass die Legende den Zufall wohl eher dem Anfängerglück zuschreiben möchte. Die Spannweite zwischen einem Pionier und einem Amateur wäre jedoch gross. Demnach würde die Legende einer starken Abwertung entsprechen. Der Person wäre man somit wohl eher nicht wohlgesinnt. In «Patriarchen» wird R. Lindt gleich mehrmals als Anfänger beschrieben. Diese Stellen lassen sich unter Zufall kategorisieren. Ebenso wird er mehrmals als freizeitorientierte Person dargestellt. Diese Beschreibungen können der Kategorie des Wochenendes zugeordnet werden. Für jede Kategorie ist ein Musterbeispiel definiert, in dem der Berner als Dilettant oder Faulpelz beschrieben wird. Am Ende des Kapitels folgt ein Fazit zur Auswertung der Legende.
Betrachtet man das Lebenswerk von R. Lindt, so lassen sich zwei wichtige Erfolge hervorheben: Einerseits die Entdeckung der heutigen Schokolade und andererseits der hohe Kaufpreis, welcher für die Berner Rod. Lindt Fils bezahlt wurde. In seiner Geschichte steht jedoch oft eine Legende im Vordergrund. Im Dokumentarfilm «Schweiz und die Schokolade» war das auch wieder der Fall. Das Zufallswochenende geniesst heute mindestens den gleichen Bekanntheitsgrad wie seine Errungenschaften. Diese glückhafte Eingebung muss deshalb etwas genauer unter die Lupe genommen werden.

In der Kommunikationstheorie übermittelt der Sender eine Botschaft an einen Empfänger. Die Botschaft der Legende besteht aus einer Kombination aus Zufall und Wochenende. Zufälle hängen allgemein mit Glück zusammen. Wenn man einer Person wohlgesonnen ist, dann kann ein Zufall mit dem Glück des Tüchtigen erklärt werden. Tüchtigkeit steht jedoch eher im Widerspruch zur Freizeit, welche wiederum das Wochenende betrifft. Daraus folgt, dass die Legende den Zufall wohl eher dem Anfängerglück zuschreiben möchte. Die Spannweite zwischen einem Pionier und einem Amateur wäre jedoch gross. In diesem Fall wäre die Legende abwertend und der betroffenen Person wäre man wohl eher nicht wohlgesinnt. In «Patriarchen» wird R. Lindt gleich mehrmals als Anfänger beschrieben. Diese Stellen lassen sich unter Zufall kategorisieren. Ebenso wird er mehrmals als freizeitorientierte Person dargestellt. Diese Beschreibungen werden der Kategorie des Wochenendes zugeordnet. Für jede Kategorie ist ein Musterbeispiel definiert, in dem der Berner als Dilettant oder Faulpelz beschrieben wird. Am Ende des Kapitels folgt ein Fazit zur Auswertung der Legende.
In vielen Texten über R. Lindt ist die Entdeckung der modernen Schokolade mit einer unlogischen Legende verbunden, welche seine technische Errungenschaft abwertet.
Die nachfolgenden Hintergrundinformationen zeigen, warum die unbernerische Legende nicht verbreitet werden sollte. R. Lindt stand der milden Milchschokolade kritisch gegenüber. Er bevorzugte dunkle Schokolade und war somit ein Liebhaber von Zartbitterschokolade. Ist die Ironie hinter der Legende Fakt oder Fake?
Legende

Praxistext

Legende

Praxistext

Mit einem Faktencheck soll aber zuerst der Wahrheitsgehalt oder zumindest die Plausibilität der Legende überprüft werden.
Mit einem Faktencheck soll aber zuerst der Wahrheitsgehalt oder zumindest die Plausibilität der Legende überprüft werden.
Was dann geschah, ist von Legenden umrankt und nicht mehr zu klären. Manche behaupten, R. Lindt habe monatelang getüftelt, bis er eine Lösung fand; andere sagen, er habe an einem Freitag einfach seine vom Wasserrad betriebene Rührmaschine abzustellen vergessen, bevor er zur Jagd oder einem galanten Abenteuer aufbrach, weshalb die Schokoladenmasse drei Tage und drei Nächte lang ununterbrochen gerührt worden sei. Wie auch immer: Als Lindt am Montag in die Fabrik zurückkehrte, fand er in seinem Bottich eine glänzende Masse vor, die mit herkömmlicher Schokolade keinerlei Ähnlichkeit mehr hatte (Patriarchen, A. Capus, S. 20).

Was dann geschah, ist von Legenden umrankt und nicht mehr zu klären. Manche behaupten, R. Lindt habe monatelang getüftelt, bis er eine Lösung fand; andere sagen, er habe an einem Freitag einfach seine vom Wasserrad betriebene Rührmaschine abzustellen vergessen, bevor er zur Jagd oder einem galanten Abenteuer aufbrach, weshalb die Schokoladenmasse drei Tage und drei Nächte lang ununterbrochen gerührt worden sei. Wie auch immer: Als R. Lindt am Montagmorgen in die Fabrik zurückkehrte, fand er in seinem Bottich eine glänzende Masse vor, die mit bisheriger Schokolade keinerlei Ähnlichkeit mehr hatte (Patriarchen, A. Capus, S. 20).

Die Urheber scheinen aber den Kern der Sache nicht verstanden zu haben. Der springende Punkt ist nämlich die Verschmelzung. Diese steht synonym für Vereinigung. Die Legende begünstigt hingegen eher die Trennung. Und zwar die Trennung zwischen Namen und Person. Und auch die Trennung zwischen Lebenswerk und Geburtsort. Mehr dazu wird im Kapitel über die Auswirkungen folgen.

Es ist aber bereits augenfällig, dass das realistische Szenario einer längeren Entwicklungsphase nur in einem Satz beschrieben wird. Die unlogische Legende wird hingegen in mehreren Sätzen erklärt. Dieses Ungleichgewicht kann bereits als Beeinflussung des lesenden Publikums gewertet werden. Es hat sich aber gerade herausgestellt, dass die Legende inhaltlich falsch ist. Für die weitere Analyse muss sie nun auch noch filetiert werden. Auf diesem Weg wird zuerst die Zufallsthematik
geprüft. Das Wochenende wird danach an der Reihe sein.
Die Urheber scheinen aber den Kern der Sache nicht verstanden zu haben. Der springende Punkt ist nämlich die Verschmelzung. Diese steht synonym für Vereinigung. Die Legende begünstigt hingegen eher die Trennung. Und zwar die Trennung zwischen Namen und Person. Und auch die Trennung zwischen Lebenswerk und Geburtsort. Mehr dazu wird im Kapitel über die Auswirkungen folgen.

Es ist aber bereits augenfällig, dass das realistische Szenario einer längeren Entwicklungsphase nur in einem Satz beschrieben wird. Die unlogische Legende wird hingegen in mehreren Sätzen erklärt. Dieses Ungleichgewicht kann bereits als Beeinflussung des lesenden Publikums gewertet werden. Es hat sich aber gerade herausgestellt, dass die Legende inhaltlich falsch ist. Für die weitere Analyse muss sie nun auch noch filetiert werden. Auf diesem Weg wird zuerst die Zufallsthematik geprüft. Das Wochenende wird danach an der Reihe sein.
Legende

Zufall

Legende

Zufall

In Kombination mit dem Wochenende konnte der Zufall bereits mit dem Anfängerglück in Verbindung gebracht werden. Betrachtet man nur den Zufallsteil der Legende, so ist eine weitere Herleitung möglich. Wird der Arbeitsplatz mit laufender Maschine verlassen, ist das ein nachlässiges Verhalten. Nachlässigkeit kann auf Unerfahrenheit zurückgeführt werden. Dem Erfolg mit der Schmelzschokolade soll demnach ein Anfängerfehler vorausgegangen sein. Wegen der Hygiene kann ein solches Missgeschick im Lebensmittelbereich umso fataler sein. R. Lindt wird zwischen den Zeilen der Legende also ein amateurhaftes Verhalten unterstellt. Ein Glückstreffer wird im Sport oft als weniger verdient wahrgenommen, weil jeder das Goal hätte schiessen können. Das Narrativ eines unprofessionellen R. Lindt führt den Erfolg also auf einen Zufallstreffer zurück - auch ein blindes Huhn findet schliesslich mal eine Schokolade.

Auf diese Weise wird ein Pionier zum «Anfänger» abgestempelt. Durch die Legende wird somit eindeutig die Person abgewertet. Da die Leistung eines Anfängers allgemein weniger beachtet wird, ist bereits ein möglicher Grund für die fehlende Anerkennung von R. Lindt gefunden. Dieser Abschnitt widmet sich weiterer Stellen, an welchen er als inkompetent dargestellt wird und welche sich unter Zufall kategorisieren lassen. Auf diese Weise werden die Verknüpfungen der Zufallslegende sichtbar. Ein Vergleich zwischen einem Lehrling und dem Berner Profi ist schliesslich als Musterbeispiel aus der Zufallskategorie definiert.

Bevor die Textverknüpfungen geprüft werden können, muss ein weiterer Aspekt der Zufallslegende angesprochen werden. Bei einem mehrstufigen Verfahren bedeutet ein Zufallstreffer noch nicht, dass das Gesamtproblem gelöst ist. Bei komplexen Problemen gibt es zudem Abhängigkeiten, welche nur mit Fachwissen und Erfahrung erkannt werden können. Das sind jedoch Voraussetzungen, welche sich mit der Zufallslogik beissen.

Für das Narrativ eines Anfängers musste deshalb auch noch die technische Errungenschaft vereinfacht werden. Zuerst wurde das Schmelzschokoladenverfahren auf die Conchiertechnik beschränkt. Hierfür wurde unter anderem das Temperieren ausgeklammert. Anschliessend musste man die verschiedenen Arbeitsschritte des Conchierens auch noch auf längeres Rühren reduzieren. Mit diesem innovativ-destruktiven Kniff wurde aus einem komplexen ein einfaches Verfahren konstruiert, welches sich sogar durch einen Glückstreffer entdecken liess. Zufälligerweise entspricht «längeres» Rühren genaue der Zeitspanne eines Wochenendes – ein Schelm, wer jetzt auf zartbittere Gedanken kommt.

Für pädagogische Zwecke kann eine Vereinfachung sinnvoll sein. Im konkreten Fall wird aber einzig und allein die Abwertung der Errungenschaft bezweckt, um die Zufallslogik plausibilisieren zu können. Gemäss diesem Narrativ hätte die Schmelzschokolade jeder entdeckt, der etwas länger im Topf gerührt hätte. Ein solcher Vereinfachungsversuch kommt im nachfolgenden Zitat besonders gut zum Ausdruck.
In Kombination mit dem Wochenende konnte der Zufall bereits mit dem Anfängerglück in Verbindung gebracht werden. Betrachtet man nur den Zufallsteil der Legende, so ist eine weitere Herleitung möglich. Wenn der Arbeitsplatz mit laufender Maschine verlassen wird, ist das ein nachlässiges Verhalten. Nachlässigkeit kann wiederum auf Unerfahrenheit zurückgeführt werden. Dem Erfolg mit der Schmelzschokolade soll also ein Anfängerfehler vorausgegangen sein. Wegen der Hygiene kann ein solches Missgeschick im Lebensmittelbereich umso fataler sein. Zwischen den Zeilen der Legende wird R. Lindt also ein amateurhaftes Verhalten unterstellt. Ein Glückstreffer wird im Sport oft als weniger verdient wahrgenommen, weil jeder das Goal hätte schiessen können. Das Narrativ eines unprofessionellen R. Lindt führt den Erfolg also auf einen Zufallstreffer zurück. Ein blindes Huhn findet eben auch mal eine Schokolade.

Auf diese Weise wird ein Pionier zum «Anfänger» abgestempelt. Durch die Legende wird somit eindeutig die Person abgewertet. Da die Leistung eines Anfängers allgemein weniger beachtet wird, ist bereits ein möglicher Grund für die fehlende Anerkennung von R. Lindt gefunden. Dieser Abschnitt widmet sich weiterer Stellen, an welchen er als inkompetent dargestellt wird und welche sich unter Zufall kategorisieren lassen. So können die Verknüpfungen der Zufallslegende im Text sichtbar gemacht werden. Ein Vergleich zwischen einem Lehrling und dem Berner Profi ist als Musterbeispiel aus der Zufallskategorie definiert.

Bevor die Textverknüpfungen geprüft werden können, muss noch ein weiterer Aspekt der Zufallslegende angesprochen werden. Ein Zufallstreffer bedeutet bei einem mehrstufigen Verfahren noch nicht, dass das Gesamtproblem gelöst ist. Bei komplexen Problemen gibt es zudem Abhängigkeiten, die nur mit Fachwissen und Erfahrung erkannt werden können. Diese Voraussetzungen beissen sich jedoch mit der Zufallslogik.

Für das Narrativ eines Anfängers musste deshalb auch noch die technische Errungenschaft vereinfacht werden. Zuerst wurde das mehrstufige Verfahren auf die Conchiertechnik beschränkt. Hierfür wurde unter anderem das Temperieren ausgeklammert. Anschliessend musste man die verschiedenen Arbeitsschritte des Conchierens auch noch auf längeres Rühren reduzieren. Mit diesem innovativ-destruktiven Kniff wurde aus einem komplexen ein einfaches Verfahren konstruiert, welches sich sogar durch einen Glückstreffer entdecken liess. Zufälligerweise entspricht «längeres» Rühren genaue der Zeitspanne eines Wochenendes – ein Schelm, wer auf zartbittere Gedanken kommt.

Für pädagogische Zwecke kann eine Vereinfachung sinnvoll sein. Im konkreten Fall wird aber einzig und allein die Abwertung der Errungenschaft bezweckt, um die Zufallslogik plausibilisieren zu können. Gemäss diesem Narrativ hätte die Schmelzschokolade jeder entdeckt, der etwas länger im Topf gerührt hätte. Ein solcher Vereinfachungsversuch kommt im nachfolgenden Zitat besonders gut zum Ausdruck.
Er taufte seine wundersame Kreation «Chocolat Fondant» -schmelzende Schokolade. Dass man die Schokolade sehr lange rühren muss – das war R. Lindts ganzes Geheimnis. Dass er das zwanzig Jahre lang vor der neugierigen Konkurrenz verheimlichen konnte, ist schon erstaunlich (Patriarchen, A. Capus, S. 20).

Er taufte seine wundersame Kreation «Chocolat Fondant» -schmelzende Schokolade. Dass man die Schokolade sehr lange rühren muss – das war R. Lindts ganzes Geheimnis. Dass er das zwanzig Jahre lang vor der neugierigen Konkurrenz verheimlichen konnte, ist schon erstaunlich (Patriarchen, A. Capus, S. 20).

Das exakt gleiche Muster wiederholte sich im Dokumentarfilm Schweiz und die Schokolade. In einer Interviewsequenz wird auch dort zuerst die Legende als Alternative zu den Fakten erwähnt. Daraufhin fragt der Reporter erstaunt:

«Das heisst sein grosses Geheimnis bestand nur darin, die Schokoladenmasse länger zu rühren?»


Darauf antwortet der Autor:

«Das ist sein einziges Geheimnis, die Maschine viel, viel länger umrühren zu lassen. Und das grosse Wunder daran ist, dass R. Lindt – er hatte ja immerhin einige Mitarbeiter – dieses so schlichte Geheimnis, das sich in einem Satz weitergeben lässt, 20 Jahre lang gehütet hat».


Im Interview wird die Einfachheit besonders hervorgehoben. Das macht den Plausibilisierungsversuch der Legende nun offensichtlich. Damit ist die Vereinfachung beziehungsweise Abwertung der Sache vorerst abgeschlossen. Jetzt richtet sich die Aufmerksamkeit auf einzelne Stellen, an denen die Person abgewertet wird und welche mit dem Zufallsteil der Legende zusammenhängen. Die Zitate können dabei chronologisch analysiert werden.
Das gleiche Muster wiederholte sich im Dokumentarfilm Schweiz und die Schokolade. In einer Interviewsequenz wird auch dort zuerst die Legende als Alternative zu den Fakten erwähnt. Daraufhin fragt der Reporter erstaunt:

«Das heisst sein grosses Geheimnis bestand nur darin, die Schokoladenmasse länger zu rühren?»


Darauf antwortet der Autor:

«Das ist sein einziges Geheimnis, die Maschine viel, viel länger umrühren zu lassen. Und das grosse Wunder daran ist, dass R. Lindt – er hatte ja immerhin einige Mitarbeiter – dieses so schlichte Geheimnis, das sich in einem Satz weitergeben lässt, 20 Jahre lang gehütet hat».


Im Interview wird die Einfachheit stark hervorgehoben. Das macht den Plausibilisierungsversuch der Legende nun offensichtlich. Damit ist die Vereinfachung beziehungsweise Abwertung der Sache vorerst abgeschlossen. Jetzt richtet sich die Aufmerksamkeit auf einzelne Stellen, an denen die Person abgewertet wird und welche mit dem Zufallsteil der Legende zusammenhängen. Die Zitate können dabei chronologisch analysiert werden.
Rudolf Lindt erlernte das Schokoladenhandwerk bei seinem Onkel in Lausanne.
Das technische Verfahren für die Schmelzschokolade wird durch die Legende vereinfacht. Es handelt sich somit um eine Abwertung der Berner Errungenschaft.
Verbürgt ist lediglich, dass er eine Vorliebe für die Jagd und die schönen Künste hatte und dass er als 18-Jähriger zwei Lehrjahre in der Schokoladenfabrik seines Onkels Charles Kohler in Lausanne verbrachte, der ihm zum Abschied dreihundert Franken schenkte. Ob aber Kohler dem Neffen das Geld in Anerkennung der geleisteten Dienste gab oder nur froh war, ihn los zu sein, weiss niemand (A. Capus, Patriarchen, S. 18).

Verbürgt ist lediglich, dass er eine Vorliebe für die Jagd und die schönen Künste hatte und dass er als 18-Jähriger zwei Lehrjahre in der Schokoladen-Fabrik seines Onkels Charles Kohler in Lausanne verbrachte, der ihm zum Abschied dreihundert Franken schenkte. Ob aber Kohler dem Neffen das Geld in Anerkennung der geleisteten Dienste gab oder nur froh war, ihn los zu sein, weiss niemand (A. Capus, Patriarchen, S. 18).

Dem Adressvermerk zufolge war ein langjähriger Chocolatier in den Schokoladenbetrieb von R. Lindt involviert.
Das ist der Eintrag der Schokoladenmühle «Lindt & Kohler». C. Kohler war ein bekannter Schokoladenfabrikant aus Lausanne und der Onkel von R. Lindt. Somit war in der Matte von Anfang an reichlich Wissen über das Schokoladenhandwerk vorhanden. Dadurch war eine professionelle Entwicklungsarbeit möglich.
Um seinem Namen einen weltläufigen Klang zu geben, nannte der junge Fabrikant sich nicht mehr Rudolf – oder Rüedu wie man ihn in Bern wohl rief, sondern Rodolphe Lindt Fils. Das edle Etikett stand in scharfem Kontrast zur schäbigen Fabrik an der Aare (Patriarchen, A. Capus, S. 19).

Um seinem Namen einen weltläufigen Klang zu geben, nannte der junge Fabrikant sich nicht mehr Rudolf – oder Rüedu wie man ihn in Bern wohl rief, sondern Rodolphe Lindt Fils. Das edle Etikett stand in scharfem Kontrast zur schäbigen Fabrik an der Aare (Patriarchen, A. Capus, S. 19).

Die Schokoladenmasse muss temperiert werden, um die Fettkristalle stabilisieren zu können.
… und dann überzog sich das Ganze schon bald mit einem grauen Belag, der stark an Schimmel erinnerte. R. Lindt war ratlos. Dass ihm das schimmlige Phänomen derart unerklärlich war, lässt auf eine eher flüchtige Ausbildung in der Fabrik des Onkels schliessen. Denn damals wie heute wusste jeder Konditorlehrling, dass es sich bei dem grauen Zeug um so genannten Fettreif handelte, also nicht um Schimmel, sondern abgesondertes Fett (Patriarchen, A. Capus, S. 19).

… und dann überzog sich das Ganze schon bald mit einem grauen Belag, der stark an Schimmel erinnerte. R. Lindt war ratlos. Dass ihm das schimmlige Phänomen derart unerklärlich war, lässt auf eine eher flüchtige Ausbildung in der Fabrik des Onkels schliessen. Denn damals wie heute wusste jeder Konditorlehrling, dass es sich bei dem grauen Zeug um so genannten Fettreif handelte, also nicht um Schimmel, sondern abgesondertes Fett (Patriarchen, A. Capus, S. 19).

Legende

Wochenende

Legende

Wochenende

Der Legendentext geht bereits davon aus, dass R. Lindt während des Wochenendes nicht in der Fabrik gewesen, sondern der Jagd oder einem galanten Abenteuer nachgegangen sein soll. Dementsprechend wird er an verschiedene Stellen als freizeitorientierte Person beschrieben. Statt «Dandy» wird er teilweise auch «Bonvivant» genannt. Beim Lebemann kommt die Freizeit noch deutlicher zur Geltung. Damals war Freizeit aber vorwiegend der Oberschicht vorbehalten. In «Patriarchen» wird die Freizeitorientierung so auch damit begründet, dass er ein Bernburger war. Die Familie Lindt stammt ursprünglich aus Hessen im heutigen Deutschland und wurde 1769 in Nidau eingebürgert. Aus diesem Grund wird in dieser Gegendarstellung von einem Burger statt «Patrizier» gesprochen. Im Zusammenhang mit der Work-Life-Balance wird Freizeit heute jedoch als positiv wahrgenommen. Für das Narrativ schien es deshalb zweckmässig, ihm auch noch eine Abneigung gegenüber der Arbeit zu unterstellen. Die Abneigung wird jeweils mit einer gewissen Eitelkeit begründet. In «Patriarchen» wird die Eitelkeit wiederholt auf den Hintergrund als Burgerfamilie zurückgeführt. Die negative Arbeitsmoral und die ausgeprägte Freizeitorientierung werden im folgenden Satz besonders stark betont:

«Dass R. Lindt sich in der Jugend als brillanter Student, fleissiger Arbeiter oder furchtloser Abenteurer hervorgetan hätte, ist nicht bekannt. Verbürgt ist lediglich, dass er eine Vorliebe für die Jagd und die schönen Künste hatte (Patriarchen, A. Capus, S. 18)».


Unter der Woche freut sich eine freizeitorientierte Person bestimmt aufs nächste Wochenende. Auf diese Weise mutiert die Freizeit- zu einer Wochenendorientierung. Ein wochenendorientierter Arbeiter wird sich jedoch richtiggehend vom einen zum anderen Wochenende hangeln. Die Wochenendorientierung transformiert sich so zur Faulheit. Der Wochenendteil der Legende assoziiert die Freizeit folglich mit einer gewissen Arbeitsfaulheit. Die Anerkennung einer Leistung sinkt, wenn der Erfolg auch von einer faulen Person erreicht werden kann. Gemäss dem Narrativ eines unprofessionellen und als faul dargestellten R. Lindt sollen seine Erfolge nicht wirklich verdient gewesen sein. Im Buch wird ihm mehrfach Faulheit unterstellt. Diese Stellen können in der Wochenendkategorie zusammengefasst werden. Auf diese Weise geben sich weitere Verknüpfungen des Zufallswochenendes zu erkennen.
Der Legendentext geht bereits davon aus, dass R. Lindt während des Wochenendes nicht in der Fabrik gewesen, sondern der Jagd oder einem galanten Abenteuer nachgegangen sein soll. Dementsprechend wird er an verschiedene Stellen als freizeitorientierte Person beschrieben. Statt «Dandy» wird er teilweise auch «Bonvivant» genannt. Beim Lebemann kommt die Freizeit noch deutlicher zur Geltung. Damals war Freizeit aber vorwiegend der Oberschicht vorbehalten. In «Patriarchen» wird die Freizeitorientierung so auch damit begründet, dass er ein Bernburger war. Die Familie Lindt stammt ursprünglich aus Hessen im heutigen Deutschland und wurde im Jahr 1769 in Nidau eingebürgert. Aus diesem Grund wird in dieser Gegendarstellung von einem Burger statt «Patrizier» gesprochen. Im Zusammenhang mit der Work-Life-Balance wird Freizeit heute jedoch als positiv wahrgenommen. Für das Narrativ schien es deshalb zweckmässig, ihm auch noch eine Abneigung gegenüber der Arbeit zu unterstellen. Die Abneigung wird jeweils mit einer gewissen Eitelkeit begründet. In «Patriarchen» wird die Eitelkeit wiederholt auf den Hintergrund als Burgerfamilie zurückgeführt. Die negative Arbeitsmoral und die ausgeprägte Freizeitorientierung werden im folgenden Satz besonders stark betont:

«Dass R. Lindt sich in der Jugend als brillanter Student, fleissiger Arbeiter oder furchtloser Abenteurer hervorgetan hätte, ist nicht bekannt. Verbürgt ist lediglich, dass er eine Vorliebe für die Jagd und die schönen Künste hatte (Patriarchen, A. Capus, S. 18)».


Unter der Woche freut sich eine freizeitorientierte Person bestimmt aufs nächste Wochenende. Auf diese Weise mutiert die Freizeit- zu einer Wochenendorientierung. Ein wochenendorientierter Arbeiter wird sich aber richtiggehend vom einen zum anderenWochenende hangeln. Dadurch verwandelt sich die Wochenendorientierung in Faulheit. Der Wochenendteil der Legende assoziiert die Freizeit folglich mit einer gewissen Arbeitsfaulheit. Die Anerkennung einer Leistung sinkt, wenn der Erfolg auch von einer faulen Person erreicht werden kann. Gemäss dem Narrativ eines unprofessionellen und als faul dargestellten R. Lindt sollen seine Erfolge nicht wirklich verdient gewesen sein. Im Buch «Patriarchen» wird ihm mehrfach Faulheit unterstellt. Diese Stellen lassen sich in der Kategorie Wochenende zusammenfassen. So lassen sich im Text weitere Verknüpfungen des Zufallswochenendes finden.
Er blieb der exzentrische und launische Patrizier, der seine Zeit lieber in eleganten Salons als in der Fabrikhalle verbrachte und für den Arbeit eine niedrige Verrichtung war, die es wenn möglich zu vermeiden galt (Patriarchen, A. Capus, S. 21).

Er blieb der exzentrische und launische Patrizier, der seine Zeit lieber in eleganten Salons als in der Fabrikhalle verbrachte und für den Arbeit eine niedrige Verrichtung war, die es wenn möglich zu vermeiden galt (Patriarchen, A. Capus, S. 21).

Berner Schmelzschokolade wurde auch ausserhalb der Schweiz verkauft. In Deutschland war sie besonders beliebt.
… aber es gab jetzt niemanden mehr, der für den Patrizier die peinliche Prozedur des Anpreisens, das demütigende Feilschen um den Preis und die niedere Verrichtung des Verkaufes erledigte (Patriarchen, A. Capus, S. 22).

… aber es gab jetzt niemanden mehr, der für den Patrizier die peinliche Prozedur des Anpreisens, das demütigende Feilschen um den Preis und die niedere Verrichtung des Verkaufes erledigte (Patriarchen, A. Capus, S. 22).

Das Schokoladenverfahren stand beim Verkauf im Jahr 1899 im Vordergrund und war mit mehr als einer Million Schweizer Franken bewertet worden.
Mit Individualrecht (Goodwill) ist die Differenz zwischen Kaufpreis und Sachwert gemeint. Dieser immaterielle Wert wurde für das Fabrikationsverfahren, den Namen, die Kundschaft und die Marke bezahlt (Berufung von 1927, Klägerin, S. 1).
Mit Lindt und Sprüngli waren die grösstmöglichen Gegensätze eine Verbindung eingegangen – der eine ein aristokratischer, dünkelhafter Schöngeist, der andere ein nüchterner, von zwinglianischem Arbeitsethos durchdrungener Kaufmann, dessen Familie sich mit eisernem Fleiss aus bescheidenen Verhältnissen hochgearbeitet hatte (Patriarchen, A. Capus, S. 24).

Mit Lindt und Sprüngli waren die grösstmöglichen Gegensätze eine Verbindung eingegangen – der eine ein aristokratischer, dünkelhafter Schöngeist, der andere ein nüchterner, von zwinglianischem Arbeitsethos durchdrungener Kaufmann, dessen Familie sich mit eisernem Fleiss aus bescheidenen Verhältnissen hochgearbeitet hatte (Patriarchen, A. Capus, S. 24).

Legende

Fazit

Legende

Fazit

Die Legende wertet nicht nur die Person, sondern auch die technische Errungenschaft ab. Inhaltlich ist sie ziemlich unlogisch. Sie ist mit weiteren Textpassagen verknüpft, in denen R. Lindt abgewertet wird. Wie das Zufallswochenende stehen auch diese Abwertungen im Widerspruch zu den tatsächlichen Gegebenheiten. Daher kann davon ausgegangen werden, dass die Wahrheit im Sinne der Legendenlogik zurechtgebogen wurde. Die Darstellungen eines Anfängers können der Zufallskategorie zugeordnet werden. Die Beschreibungen einer faulen Person lassen sich wiederum unter Wochenende kategorisieren.

Faul, eitel, dünkelhaft, exzentrisch und launisch sind ungünstige Charaktereigenschaften für eine Partnerschaft. Im Kapitel über den Streit wird sich herausstellen, dass damit die Berner Seite zum Sündenbock gemacht werden soll. Der Wochenendteil ist somit das Bindeglied zwischen der Legende und dem Streit. Dadurch ist das Zufallswochenende mit dem gesamten Text verknüpft.

Ein fleissiger Profi hat sich den Erfolg erarbeitet. Das Narrativ eines faulen Anfängers erweckt jedoch den Eindruck, dass R. Lindt mehr Glück als Verstand hatte. Zurückkommend auf die Kommunikationstheorie ist im Zufallswochenende die Summe dieser abwertenden Verknüpfungen enthalten. Im Umkehrschluss können in nur einer Botschaft gleich mehrere Abwertungen verbreitet werden. Die Legende ähnelt einem Überraschungsei. Anstelle von «Spass», «Spiel» und «Spannung» enthält sie jedoch verschiedene negative Assoziationen.

In «Patriarchen» wurde eine blumige Sprache verwendet. Statt dem Wolf einen Schafspelz zu verpassen, ist das Überraschungsei also mit einer süssen Hülle überzogen (dragiert). Die Legende wirkt dadurch harmlos. Daher wird sie bedenkenlos verbreitet. Damit hat sie sich als äusserst verfängliches Kommunikationsinstrument bewährt. Die Geschichte von R. Lindt hat aber auch eine dunkle Seite. Damit das Überraschungsei enthüllt werden kann, müssen diese Hintergründe beleuchtet werden. Nur so gibt sich die zartbittere Füllung zu erkennen. Im nächsten Kapitel ist es entsprechend finster. Auch wenn der «Spass» diesem «Spiel» gleich entgleiten wird, so bleibt doch zumindest die «Spannung» bis zum Schluss bestehen.
Die Legende wertet nicht nur die Person, sondern auch die technische Errungenschaft ab. Inhaltlich ist sie ziemlich unlogisch. Sie ist mit weiteren Textpassagen verknüpft, in denen R. Lindt abgewertet wird. Wie das Zufallswochenende stehen auch diese Abwertungen im Widerspruch zu den tatsächlichen Gegebenheiten. Daher kann davon ausgegangen werden, dass die Wahrheit im Sinne der Legendenlogik zurechtgebogen wurde. Die Darstellungen eines «Anfängers» können der Zufallskategorie zugeordnet werden. Die Beschreibungen einer «faulen Person» lassen sich unter Wochenende kategorisieren.

Faul, eitel, dünkelhaft, exzentrisch und launisch sind ungünstige Charaktereigenschaften für eine Partnerschaft. Im Kapitel über den Streit wird sich herausstellen, dass damit die Berner Seite zum Sündenbock gemacht werden soll. Der Wochenendteilist somit das Bindeglied zwischen der Legende und dem Streit. So ist das Zufallswochenende mit dem gesamten Text verknüpft.

Ein fleissiger Profi hat sich den Erfolg erarbeitet. Das Narrativ eines faulen Anfängers erweckt jedoch den Eindruck, dass R. Lindt mehr Glück als Verstand hatte. Auf die Kommunikationstheorie zurückkommend enthält das Zufallswochenende die Summe dieser negativen Verknüpfungen. Im Umkehrschluss können in nur einer Botschaft gleich mehrere Abwertungen verbreitet werden. Die Legende ähnelt somit einem Überraschungsei. Anstelle von «Spass», «Spiel» und «Spannung» enthält sie jedoch verschiedene negative Assoziationen.

Im Buch «Patriarchen» wurde eine blumige Sprache verwendet. Statt dem Wolf einen Schafspelz zu geben, ist das Überraschungsei also mit einer süssen Hülle überzogen (dragiert). Die Legende wirkt dadurch harmlos. Daher wird sie bedenkenlos verbreitet. Damit bewährt sie sich als äusserst verführerisches Kommunikationsinstrument. Die Geschichte von R. Lindt hat aber auch eine dunkle Seite. Damit das Überraschungsei enthüllt werden kann, müssen diese Hintergründe beleuchtet werden. Nur so gibt sich die zartbittere Füllung zu erkennen. Im nächsten Kapitel ist es entsprechend finster. Auch wenn der «Spass» diesem «Spiel» gleich entgleiten wird, so bleibt doch zumindest die «Spannung» bis zum Schluss bestehen.
Die Schmelzeigenschaft von Schokoladen ist dem Pioniergeist in Bern zu verdanken.
Durch die Legende werden sowohl die technische Errungenschaft aus Bern als auch der Berner Schokoladenpionier abgewertet. Somit kann sie nicht im Sinne von Bern gemeint sein. Nach Analyse des Streits können zudem ironische Absichten beim Zufallswochenende ausgeschlossen werden. Ein älterer Spruch besagt, dass ein gewisses Ei aus Schokolade gleich drei Wünsche erfüllt: Spannung, Spaß und Spiel - oder so ähnlich.
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